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Internationale Grüne Woche

Gemeinschaftschaftsauftritt Lebensmittelwirtschaft, Internationale Grüne Woche, 19.-28.1.2018, Berlin

„Gerade in Deutschland sind die Verbraucher beim Thema Lebensmittelverschwendung besonders gefragt“

16.10.2018
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Unbestritten ist Lebensmittelverschwendung eine der zentralen Herausforderungen im globalen Kampf gegen Hunger. Vor diesem Hintergrund ist es nachvollziehbar, dass sich auch Journalisten für dieses Ziel einsetzen. Allerdings ist es ein Bärendienst für die eigene Zunft, wenn sie dabei journalistische Grundsätze wie kritische Recherche und Sorgfalt bei der Einordnung von Sachverhalten über Bord werfen. So jüngst geschehen in gleich zwei deutschen Leitmedien – auf ZEIT ONLINE und in der Onlineausgabe des Handelsblatts - in der Berichterstattung über eine Studie der Unternehmensberatung Boston Consulting Group (BCG) zum Thema Lebensmittelverschwendung. Wir haben das Versäumnis der Medien aufgegriffen und Karin von Funck, Partner und Managing Director bei BCG, darum gebeten, die Ergebnisse der Studie noch einmal richtig einzuordnen.


BVE: Was sind die zentralen Ergebnisse Ihrer Studie?

Karin von Funck: Wichtigstes Ergebnis unserer Studie ist eindeutig, dass global zu viele Lebensmittel verschwendet, sprich unnötig zu Abfall werden. Insgesamt landet ein Drittel aller Lebensmittel im Müll, was etwa 1,6 Milliarden Tonnen oder einem Wert von 1,2 Billionen US-Dollar entspricht. Leider wächst das Problem weiter: Bis 2030 erwarten wir einen Anstieg auf 2,1 Milliarden Tonnen und 1,5 Billionen US-Dollar. Umso wichtiger ist es daher, konkrete Maßnahmen zu ergreifen, damit das Ziel der UN, die Verschwendung bis 2030 zu halbieren, keine Utopie wird. In der Studie haben wir entlang der gesamten Wertschöpfungskette fünf wesentliche Treiber identifiziert, die Lebensmittelverschwendung verursachen. Wenn man diesen Treibern entgegenwirkt, sehen wir ein Einsparpotenzial von etwa 700 Milliarden Dollar:
1. Die Entwicklung eines stärkeren Bewusstseins bei Verbrauchern, Restaurants oder Hotels sowie Möglichkeiten zur Reduktion haben ein Einsparpotenzial von 260 Milliarden Dollar.
2. Durch eine verbesserte Supply-Chain-Infrastruktur können bis zu 150 Milliarden Dollar eingespart werden.
3. Eine effizientere Supply-Chain, die Verschwendung bereits am Anfang vermeidet und sich stärker an Angebot und Nachfrage in den jeweiligen Märkten orientiert, kann bis zu 120 Milliarden Dollar sparen.
4. Bessere Koordination zwischen Erzeugern und verarbeitenden Unternehmen entlang der Wertschöpfungskette ermöglicht 60 Milliarden Dollar an Einsparungen.
5. Regulierungen, Industriestandards und Incentivierungen müssen neu gedacht werden. Häufig sind sie zu konservativ angesetzt oder erleichtern die Lebensmittelverschwendung. Hier können weitere 110 Milliarden Dollar eingespart werden.


BVE: Die Studie unterscheidet zwischen Entwicklungsländern und Industrienationen bei der Identifikation, wo in der Wertschöpfungskette das Problem der Lebensmittelverschwendung hauptsächlich entsteht. Warum machen Sie diese Unterscheidung?

Karin von Funck: Die Studie unterscheidet zwischen Industrienationen und Entwicklungsländern, da sowohl das Niveau als auch die Ursachen der Lebensmittelverschwendung bei beiden unterschiedlich sind. In Industriestaaten ist der Überfluss eine Hauptursache für Verschwendung. Verbraucher sind in Ländern wie Deutschland für bis zu 45 Prozent der Verschwendung verantwortlich. In Entwicklungsländern liegt das Problem hingegen eher in einem Missverhältnis zwischen Mangelwirtschaft und steigenden Ansprüchen der Gesellschaften. Während die Bevölkerung Lebensmittel in frischerer und höherer Qualität verlangt, sind fehlende Lagerungsmöglichkeiten oder Kühlhäuser dafür verantwortlich, dass die Ware schneller verdirbt und somit die Verschwendung steigt.


BVE: In welchem Verhältnis sehen Sie hier die Verantwortung der Unternehmen und die Verantwortung der Verbraucher?

Karin von Funck: Die Unternehmen haben eine Schlüsselposition bei der Bekämpfung der Verschwendung, da sie in allen Bereichen der Wertschöpfung involviert sind. Sie haben die Expertise und die Möglichkeiten, Verbraucher und andere Partner zu beeinflussen. Sie sind vor allem gefragt, wenn es darum geht, ein Problembewusstsein zu schaffen. Unternehmen arbeiten nicht nur eng mit der Landwirtschaft zusammen, um beispielsweise Erntetechniken zu verbessern, sondern helfen durch gezielte Produktverbesserungen, neue Verpackungen oder Aktionen dabei, das Konsumverhalten generell zu verändern und nachhaltiger zu gestalten. Darüber hinaus hat die systematische Reduktion der Lebensmittelverschwendung einen weiteren Mehrwert für Unternehmen. Die BCG-Studie „Insights on Total Societal Impact from Five Industries“ zeigt, dass Firmen mit einer positiven ökologischen Bilanz in Summe höhere Erträge erzielen als Umweltsünder.
Gerade in Deutschland sind die Verbraucher besonders gefragt. Sie sind hauptverantwortlich für den größten Anteil der verschwendeten Lebensmittel. Doch ein nicht unbeträchtlicher Teil geht auch in Deutschland entlang der gesamten Wertschöpfungskette verloren. Daher bedarf es unserer Ansicht nach eines koordinierten Zusammenspiels von Verbrauchern, Regierungen, nichtstaatlichen Organisationen, Erzeugern und Unternehmen. Nur so kann ein globales Problem sinnvoll eingedämmt werden.