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Pressemitteilungen

15.10.2019, Berlin

Informationskampagne soll Lebensmittelverpackungen optimieren

Anlässlich des zweiten Runden Tisches mit Bundesumweltministerin Svenja...
07.10.2019, Berlin

BVE-Konjunkturreport Ernährungsindustrie 09-19

Konjunktur
Die deutsche Ernährungsindustrie erwirtschaftete im Juli 2019...

Terminkalender

29
Okt
29.10.2019 10:00 - 16:30 Uhr, E.ON Business Solutions GmbH, 45131 Essen, Brüsseler Platz 1

BVE-Fachtagung "Energiewende in der Ernährungsindustrie"

Gemeinsam mit E.ON lädt die BVE am 29. Oktober 2019 zu einer neuen Runde ihrer Fachtagung Energie - diesmal zum Thema "Wasseraufbereitung, Prozesswassernutzung und Abwasserbehandlung" ein.
27
Nov
27.11.2019 12:30 - 16:00 Uhr, Bayern Innovativ GmbH, Am Tullnaupark 8, Nürnberg

Energieeffizienz-Netzwerk für die Ernährungsindustrie

Die Veranstaltung richtet sich bevorzugt an Unternehmen der Ernährungsindustrie, die daran interessiert sind, sich einem Energieeffizienz-Netzwerk anzuschließen.
03
-
04
Dez
03.12.2019 10:00 Uhr - 04.12.2019 16:30 Uhr, Berlin, Forum Adlershof

DLG-Food Industry-Veranstaltung: "Digitale Transformation der Food Supply Chian"

„Das Essen der Zukunft – ich bin gespannt, und ich freue mich darauf!“

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Die Anuga wird 100! Anlässlich des Jubiläums haben wir mit Prof. Dr. Gunther Hirschfelder, Professor für Vergleichende Kulturwissenschaft an der Universität Regensburg, über Convenience-Produkte und Innovationen der Ernährungsindustrie gesprochen, die die Esskultur nachhaltig verändert haben. Nicht fehlen durfte dabei auch ein Blick in die Zukunft.

BVE: Die Anuga feiert in diesem Jahr ihr 100jähriges Bestehen und wir von der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie unser 70jähriges Jubiläum. Wenn Sie sich diese Zeitspanne anschauen, was waren die größten Innovationen der Ernährungsindustrie, die unsere Esskultur nachhaltig verändert haben?

Prof. Dr. Gunther Hirschfelder: Die Lebensmitteindustrie ist in den letzten 100 Jahren unglaublich kreativ und innovativ gewesen, aber aus meiner Perspektive bestand ihre Leistung vor allem darin, technologische Erfindungen aus der Wissenschaft zu übernehmen, weiterzuentwickeln und zur Anwendung zu bringen. Beispiele wären der gefriergetrocknete Kaffee oder das Speiseeis. Vor allem hat es die Industrie aber verstanden, Lebensmittel besser verfügbar, sicherer und auch besser im Hinblick auf ihre Qualität zu machen, also etwa Gemüse so zu konservieren, dass der Vitamingehalt zu großen Teilen erhalten bleibt. Die Industrie hat den Verbraucherinnen und Verbrauchern stets jene Produkte geliefert, die dem Zeitgeist entsprachen und das Leben nach den jeweiligen Vorstellungen angenehmer machten.

BVE: 1955 wurden auf der Anuga die ersten Tiefkühlprodukte vorgestellt, seitdem wächst das Angebot an Convenience-Produkten (ob tiefgefroren oder gekühlt) und ist vor allem für berufstätige Verbraucher und Verbraucherinnen oft eine praktische Hilfeleistung, um auch unter der Woche Gerichte in kurzer Zeit zubereiten zu können. Welchen Einfluss übt die Gesellschaft auf solche Innovationen aus? Und andersherum: Inwieweit verändern solche Innovationen die Gesellschaft?

Prof. Dr. Gunther Hirschfelder: Die große Dynamik der Gesellschaftsveränderung speist sich aus äußeren Einflüssen: Digitalisierung, Globalisierung und Migration, aber auch Kriege oder der Klimawandel wirken auf die Gesellschaft, die sich dynamisiert und neue Anforderungen an das Essen entwickelt. Die Mahlzeit hat ihre dominierende Stellung verloren, wir essen nach anderen Zeitvorgaben, eher mobil und haben heute andere Anforderungen an die Lebensmittel: gesund, leicht, sicher, easy to go, lecker sollen sie sein. Die Industrie reagiert dann auf die neuen Verbraucherwünsche. Sie schafft damit auch die Voraussetzungen, um die Gesellschaft effektiver und leistungsfähiger zu machen, wenn wir uns unterwegs oder unter Zeitdruck versorgen können. Dabei geht der Trend aber von komplexen Gerichten zu eher kleineren Bausteinen der Ernährung: Protein-Riegel, Smoothies oder fertige Brotaufstriche liegen im Trend und zeigen, dass die Bereiche der konventionellen- und der Bio-Produkte sich zunehmend verzahnen.

BVE: In Ihrem Artikel „Grenzenlos? Über die kulinarische Kultur Europas“ singen Sie ein Loblied auf eines der beliebtesten Convenience-Produkte: die Pizza. Was ist an der Pizza so besonders?

Prof. Dr. Gunther Hirschfelder: Das war eher als analytische Betrachtung denn als Loblied gemeint. Aber die Pizza ist durchaus spannend. Es handelt sich ja vor allem um eine Kombination weit verbreiteter Komponenten: Mehl, das mit allem möglichen belegt und gebacken wird. Die Pizza ist variabel. Sie kann vegan oder vegetarisch sein, intensiv oder schwach gewürzt, sie geht teuer oder auch preisbewusst. Vor allem aber steht sie für Reduktion. Pizza: Ein einfaches Wort, dass alle aussprechen können, und auch die Form hat einen hohen Wiedererkennungswert. Außerdem kann man sie ohne Anleitung essen, und auch ohne zu kleckern – mit oder ohne Besteck. Die Pizza ist basisdemokratisch. Und sie ist sowohl Symbol für eine als positiv wahrgenommene italienische Küche als auch für einen global lifestyle.

BVE: Mit welchen zukünftigen Innovationen rechnen Sie? Auf welche hoffen Sie? Welche Veränderungen unserer Esskultur stehen uns bevor?

Prof. Dr. Gunther Hirschfelder: Die Esskultur ist genauso dynamisch wie die ganze globale Entwicklung. Rasant! Bei guter Konjunktur wird sich die Esskultur fundamental anders entwickeln als bei einer Krise. Aber wir sind nun mal krisenanfällig! Die soziale Spaltung schreitet voran, und die Ernährung der Gebildeten und Wohlhabenden ist strukturell anders als die der Abgehängten. Gesundheit und Genuss bleiben ganz wichtig, aber schon bald wird Ernährung sowohl personalisierter als auch nachhaltiger sein. Ich denke, Fleisch bleibt, Mobilität wird noch wichtiger, und internationale Trends werden zurückgedrängt, während deutsche Traditionsküche in modernem Gewand vor einem Revival steht. Wichtig ist, dass die Industrie spezielle Gruppen im Auge behält und bedient: die wachsende Zahl der Hochbetagten hat andere Ansprüche als kritische Jugendliche. Bleibt zu hoffen, dass das Angebot einigermaßen übersichtlich bleibt und jeder das gewünschte Produkt finden kann. Kundinnen und Kunden in Deutschland werden immer anspruchsvoller, weil sie sich auch immer besser auskennen. Produkte müssen also auch immer besser werden. Das steigert wiederum die Chancen auf dem Exportmarkt.
Das Essen der Zukunft – ich bin gespannt, und ich freue mich darauf!

BVE: Vielen Dank für das Interview!


Die BVE freut sich auf Ihren Besuch am BVE-BMEL Gemeinschaftsstand in Halle 10.2, Stand A040 – C049