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Gemeinschaftschaftsauftritt Lebensmittelwirtschaft, Internationale Grüne Woche, 19.-28.1.2018, Berlin

„Der Brexit birgt für die Unternehmen große Unsicherheiten“

06.11.2018
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Für die deutsche Ernährungsindustrie zählt Großbritannien zu den wichtigsten Exportländern innerhalb des europäischen Binnenmarktes. Mit einem jährlichen Absatzvolumen von 4,3 Milliarden Euro entfallen gut 7,1 Prozent der deutschen Lebensmittelexporte auf Großbritannien. Welche Auswirkungen befürchtet die Branche durch den anstehenden Brexit, sind für die Unternehmen schon jetzt Folgen spürbar und wo braucht es die Unterstützung der Politik? Wir haben mit Beate Schierwagen, Corporate Affairs Managerin bei Cargill, darüber gesprochen.

BVE: Cargill ist ein global agierendes Unternehmen mit einem florierenden Handelsgeschäft. Worin sehen Sie essentielle Chancen des Handels?

Beate Schierwagen: Cargill ist weltweit in den Bereichen Landwirtschaft und Ernährung aktiv und so hängt unser Geschäft und das unserer Partner von einem gut funktionierenden Handelssystem ab. Offene und funktionierende Märkte sind für uns nötig, um langfristig zur globalen Nahrungsmittelsicherheit beizutragen, Arbeitsplätze zu sichern und für wirtschaftliches Wachstum zu sorgen. Die Bevölkerung wächst insbesondere in Asien und Afrika stark und mit ihr wächst auch die Mittelschicht sowie die Nachfrage nach Nahrungsmitteln aus anderen Regionen der Welt. Damit steigt auch die Bedeutung des Handels.
Zugang zu Nahrung erfordert Handel, weil die Natur einige Regionen dieser Welt mit mehr fruchtigem Boden, Regen und Sonne versorgt als andere. Dabei sehen sich Produkte aus dem Landwirtschafts- und Ernährungsbereich weltweit größeren Handelshemmnissen ausgesetzt als andere Produkte. Damit meine ich sowohl tarifäre wie auch nicht-tarifäre Handelshemmnisse.
Was wir brauchen ist ein regelbasiertes Handelssystem, ein System, das Vertrauen unter den Handelspartnern stärkt und das Handelsstreitigkeiten unter seinen Mitgliedern regelt. Damit unterstützen wir ganz klar die WTO, wobei ich auch deutlich sage, dass wir stärker darüber nachdenken müssen, wie die WTO besser und effizienter arbeiten kann, um zu ihrer Akzeptanz zurück zu finden.

BVE: Welche Rolle spielt für Sie der europäische Binnenmarkt?

Beate Schierwagen: Der europäische Binnenmarkt ist für uns von großer Bedeutung. Er ermöglicht uns, unsere Waren innerhalb der EU frei zu bewegen solange sie in einem Mitgliedstaat zum Zoll abgefertigt worden sind. Dies bedeutet eine erhebliche Zeitersparnis und einen wesentlich geringeren administrativen Aufwand als Im- und Exporte über die EU-Grenzen hinaus.

BVE: Welche Auswirkungen befürchten Sie durch den anstehenden Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union? Sind jetzt schon Folgen für das Unternehmen spürbar?

Beate Schierwagen: Der Brexit birgt für die Unternehmen große Unsicherheiten. Wir haben wie viele andere Unternehmen auch eine spezielle Brexit-Taskforce aufgesetzt, die mögliche Konsequenzen betrachtet. Dabei wissen wir heute noch nicht einmal, ob es eine Einigung auf eine Übergangsphase geben wird. Die Unsicherheit besteht also für die Übergangszeit als auch für die Zeit darüber hinaus.
Sollte eine Übergangsregelung gefunden und vereinbart werden, so dürften zumindest für den Übergangszeitraum die Auswirkungen auf den Handel überschaubar sein. Ohne eine Einigung würden nach dem 29. März 2019 die in der WTO vereinbarten Zölle Anwendung finden. Wir bereiten uns auf die verschiedenen Szenarien vor. Dies beinhaltet, dass wir mögliche Beeinträchtigungen in den Handelsströmen nach und aus UK für verschiedene Produktbereiche betrachten. Wir tauschen uns mit Lieferanten und Kunden aus, um mögliche Risiken für alle Beteiligten besser beurteilen zu können.
Wir können heute nur mit getroffenen Annahmen arbeiten, die tatsächlichen Auswirkungen können wir erst abschätzen, wenn es eine Vereinbarung der EU mit dem Vereinigten Königreich gibt und die entsprechende Gesetzgebung auf den Weg gebracht ist.

BVE: Welche Art von politischer Unterstützung ist in Ihren Augen notwendig?

Beate Schierwagen: Die Einschätzung einer möglichen Übergangsregelung und der Regelungen für die darauffolgende Zeit sind aus unternehmerischer Sicht äußerst schwierig und sicher auch aus politischer Sicht ist dies nicht einfach. Ein guter Austausch mit der Politik, um frühzeitig mitzubekommen, in welche Richtung sich die Diskussion bewegt, könnte den Unternehmen helfen, bessere und wahrscheinlichere Annahmen für die verschiedenen Szenarien zu treffen.
Und noch ganz konkret: Der Brexit wird eine höhere Komplexität durch unterschiedliche steuerliche und (zoll-)rechtliche Regulierungen mit sich bringen. Eine besondere Herausforderung wird darin liegen, unternehmensseitig und insbesondere auf Seiten der Behörden hinreichend qualifiziertes Personal für die Zollabwicklungen bereitzustellen. Daher ist es wichtig, dass rechtzeitig in die Ausbildung von Zollexperten investiert wird.