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Lebensmittel-Logistik: Neue Wege zur Frische

1. Deutscher Lebensmittel-Logistikkongress, Frankfurt 27.11.2007

Frankfurt, 07.12.2007

Die Lebensmittellogistik bleibt ein spannendes Thema. Sowohl das derzeitige Regionallagerkonzept im Handel steht in Frage als auch die Ultrafrische-Belieferung in ihrer heutigen Form.
Einen Ausweg können neue Formen der Kooperation bieten.

Auf dem 1. Lebensmittel-Forum Logistik, das von der Lebensmittel Praxis und der DVZ Deutsche Logistik-Zeitung am 27. November 2007 in Frankfurt/Main organisiert und von der BVE unterstützt wurde, informierten sich 125 Experten aus Handel, Industrie und Logistik über die aktuellen Trends in der Frischelogistik. Dabei wurden erstmals Details über ein Ultrafrische-Logistikzentrum, das in Neuss entstehen soll, und über ein neues Frische-Logistik-Konzept von Dachser Food-Logistics bekannt.

Nach Auffassung von Dr. Wolfgang Prümper, Lehrbeauftragter für Handelslogistik an der TU Berlin, kann der Lebensmittelhandel auf Dauer seine bisherige Struktur der Regionallager nicht aufrecht erhalten. Prümper kritisierte diese Konstruktion als ineffzient, weil die Gesamtprozesskette gebrochen sei und eine immer größer Komplexität in die Regionalläger hineingezogen werde (vgl. LP 21/07). Das ganze Logistikkonzept ist laut Dr. Prümper wegen der schlechten Auslastungen beider Distributionstransporte weder ökonomisch noch ökologisch effizient: doppelte Vorratshaltung, doppeltes Bestandsrisiko und doppelter Energieverbrauch. Prümper: “Industrie und Handel werden in die Frage beantworten müssen, wie verschwenderisch oder vergleichsweise schonend ihr jeweiliges Logistiksystem mit der Ressource Umwelt umgeht.”

Tim Hörnemann, Geschäftsführer der Tsunami Sushi Bars GmbH, sieht in den aktuell vorhandenen konventionellen Lieferwegen für Ultrafrische keine zufrieden stellenden Lösungsansätze: “Entweder ist der Transport zu kostenintensiv oder zu zeitkritisch.” Die Distributionslogistik in Strecke sei durch hohe Anlieferfrequenz, kleine Stoppmengen und daraus resultierend einen hohen Logistikkostenanteil gekennzeichent. Umgekehrt führe die Beschaffungslogistik in Strecke a la MGL wegen hoher Anlieferfrequenz bei enormen Stoppgrößen zu einer zu späten Warenverräumung und zu zahlreichen Fehlläufern. Auch der Weg über bestandsführende Zentrallager scheide wegen der zu langen Umschlagsdauer von mehr als 24 Stunden aus. Hörnemann: “Bei Ultra-Frische Produkten ist keine Lagerhaltung möglich.”

Als ultimative Frische-Lösung plant Tsunami in Neuss ein Ultra-Frische-Zentrum auf einem 67.000-Quadratmeter-Grundstück, auf dem verschiedene Produzenten ihre Ware herstellen und distribuieren. Durch die geographische Bündelung mehrer Produzenten an einem Standort können laut Hörnemann Warenströme zusammengefasst, Frachtraum optimal ausgenutzt, personelle Synergien bei Kommissionierung und Versand generiert sowie ökologische und ökonomische Interessen besser miteinander verzahnt werden. Vorteile für den Handel sind insbesondere zeitgleiche Anlieferung verschiedener Ultra-Frische-Sortimente und eine längere Verweilzeit der Ware im Kühlregal. Hörnemann verspricht sich davon Umsatzsteigerungen durch bessere Warenverfügbarkeit, die Vermeidung von Out-of-Stock-Situationen und eine deutliche Reduzierung der heutigen Retourenquote von bis zu 30 Prozent der angelieferten Ware.

Stefan Krautwurst-Leister, Bereichsleiter Verkauf bei Dachser Food Logistics in Kempten (346 Mio. Euro Inlandsumsatz, 4,12 Mio. t Umschlag) erwartet, dass sich viele Prozesse in der Food-Logistik verändern, und dass dies alle Beteiligten in der Wertschöpfungskette trifft. Als einen wesentlichen Trend sieht der Dachser-Manager, dass der Handel die Steuerung der Supply Chain zunehmend in die eigene Hand nimmt, und zwar von der Beschaffungslogistik bis hin zur Warenverräumung in der Filiale. Aber auch schwierige Felder wie die regionale Ultrafrische-Abwicklung mit erweitertem Dienstleistungsangebot rückten in den Fokus des Handels. Dringenden Handlungsbedarf mahnte Krautwurst-Leister beim Handel bei der Reduzierung der Standzeiten an, die nach einer Dachser-Untersuchung bei 45 Prozent der Anlieferungen zwei Stunden und mehr betragen. Konter eines Kongressteilnehmers aus dem Handel: Wären die Spediteure pünktlicher, gäbe es weniger Standzeiten an den Rampen.

Das Thema “Ultrafrisch” lässt auch Dachser nicht kalt. “Wir sehen hier ein neues Marktsegment und entwickeln dafür Lösungen”, kündigte Krautwurst-Leister an. Dazu gehöre die Erweiterung des Dienstleistungsangebotes um Warenverräumung und Regalpflege mit Hilfe eines Partnerunternehmens. Ziel sei es, Handel und Industrie einen Full Service aus einer Hand inklusive Beschaffung und Distribution, Warenverräumung und weiterer Dienstleistungen wie zum Beispiel Retourenabwicklung zu bieten.

Dass sich Kooperationen in der Logistik auszahlen können, bestätigte Coppenrath&Wiese-Chef Gerhard Kamlage anhand der Erfahrungen mit der Logistik-Tochter Overnight Tiefkühl-Service, die von Coppenrath & Wiese, Apetito und Roncadin genutzt wird. Alle drei Unternehmen bündeln dort ihre Ware, wickeln zentral die Auftragsannahme ab, kommissionieren und liefern aus. Vorteilhaft bei dieser Kooperation sind die unterschiedlichen Saisonverläufe von Torten und Eiscreme, die zusammen mit den Apetito-Produkten über das Jahr eine weitgehend ausgeglichene Lager- und Tourenauslastung ergeben. Unterm Strich ergibt diese gemeinsame Logistik für alle drei Partner deutliche Kostenersparnisse gegenüber dem Betrieb individueller Logistik-Kapazitäten.

Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an:

Reiner Mihr
LEBENSMITTEL PRAXIS
www.lebensmittelpraxis.de
e-mail: r.mihr@vhb.de
Tel.: 02631//879-127
Fax: 02631/879-204


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