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BVE-Rohstoffkongress

Rohstoffsituation der Ernährungsindustrie erfordert Anpassung der Verbraucherpreise

Berlin, 02.11.2007

BVE-Rohstoffkongress: Podiumsdiskussion
Vor dem Hintergrund der massiven Preissteigerungen für wichtige agrarische Erzeugnisse erörterten am 31. Oktober 2007 auf dem BVE-Rohstoffkongress in Berlin Vertreter der Wissenschaft, der Politik, des Handels, der Verbraucher sowie der Agrar- und Ernährungswirtschaft die aktuelle Rohstoffsituation der Ernährungsindustrie, deren Folgen sowie Perspektiven.

Der BVE-Vorsitzender Jürgen Abraham wies vor den rund 160 Teilnehmern darauf hin, dass sich neben den Energiekosten auch die Bezugspreise der Ernährungsindustrie für Agrarrohstoffe in den letzten Jahren massiv erhöht haben. Die dem Preisanstieg zugrunde liegende Rohstoffverknappung würde zum Teil auch durch die zunehmende Verwendung von agrarischen Rohstoffen zur Erzeugung von Bioenergie beeinflusst. Es müsse sichergestellt werden, dass die Belange der Ernährungswirtschaft im Zweifel Vorfahrt haben. Mit Nachdruck wies Abraham darauf hin, dass die zunehmenden Kostensteigerungen an die Verbraucher weitergegeben werden müssen. Dies sei auch vertretbar, da die Preise für Nahrungsmittel in Deutschland unter dem EU-Durchschnitt liegen und die deutschen Haushalte in der EU im Vergleich recht wenig für Nahrungsmittel aufwenden.

Gerd Sonnleitner, Präsident des Deutschen Bauernverbandes, unterstützte diese Argumentation, in dem er darauf hinwies, dass der Index der allgemeinen Verbraucherpreise seit 1992 um 33%, der Nahrungsmittelindex hingegen lediglich um 14% gestiegen sei. Die Zeiten rückläufiger Nahrungsmittelpreise seien vorbei und die Verbraucher müssten sich auch weiterhin auf steigende Preise einrichten. Die gesamte Wertschöpfungskette „Lebensmittel“, das heißt Landwirtschaft, Ernährungsindustrie und auch der Lebensmittelhandel, seien auf überfällige Preisanpassungen angewiesen. Die gestiegenen Preise für einzelne landwirtschaftliche Erzeugnisse seien aber nicht auf Bioenergie zurückzuführen. Ursache hierfür sei vielmehr die gestiegene Nachfrage auf dem Weltmarkt. Die gestiegenen Rohstoffpreise würden im Übrigen auch in den Bestand der Biogasanlagen in Deutschland beeinträchtigen. Sonnleitner versicherte, dass die Nahrungsmittelherstellung das Kerngeschäft der Landwirtschaft bleibe und der Bereich Bioenergie nur eine ergänzende Funktion haben werde.

Dr. Klaus-Dieter Schumacher, Chef-Volkswirt von Töpfer International, erläuterte die Situation, die Entwicklung und die globalen Zusammenhänge auf den Weltagrarmärkten für Getreide, Ölsaaten und pflanzliche Öle. Er stellte dar, dass die aktuellen, hohen Preise in erster Linie durch die mit einer wachsenden Weltbevölkerung verbundene steigende Nachfrage sowie Ernteausfälle bedingt werden. Der Einfluss von Bioenergie sei insoweit von nachrangiger Bedeutung. Ein Konflikt zwischen Nahrungsmitteln und Bioenergie sei grundsätzlich vermeidbar. Dies erfordere jedoch die Sicherstellung geeigneter Rahmenbedingungen, wie z. B. Preisanreize für Landwirte, Produktivitätssteigerungen, Infrastrukturinvestitionen, Nachhaltigkeit sowie den Abbau von Handelshemmnissen.

In seinem mit großer Spannung erwarteten Referat erläuterte Prof. Tangermann,
BVE-Rohstoffkongress: Prof. Tangermann, Direktor für Handel und Landwirtschaft bei der OECD
Direktor für Handel und Landwirtschaft bei der OECD, die Auswirkungen der Bioenergie auf die Agrarmärkte. Er hinterfragte dabei in kritischer Weise insbesondere die politischen Motive des Interesses an der Bioenergie, die in steigenden Ölpreisen, der Sicherheit der Energieversorgung, dem globalen Klimawandel und der Verbesserung der wirtschaftlichen Lage in der Landwirtschaft zu sehen sind. Prof. Tangermann sprach sich für eine Förderung der Technologie von Bioenergie der zweiten Generation aus. Dies sei überzeugender als die Subvention von Biokraftstoffen der so genannten ersten Generation. Zu dem forderte er die Aufhebung von handelshemmenden Zöllen für Biokraftstoffe. Ein intensiverer Wettbewerb sei gegenüber einer Subventionspolitik zu präferieren.

Alexander Müller, Direktor der Welternährungsorganisation FAO, thematisierte die globalen Herausforderungen der Landwirtschaft. Diese bestünden insbesondere in einer zunehmenden Weltbevölkerung sowie einem globalen Klimawandel. Es sei erforderlich, die hiermit verbundenen Entwicklungen zu antizipieren und sich auf die daraus resultierenden Anforderungen einzustellen.

BVE-Rohstoffkongress: Gert Lindemann, Staatssekretär im Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz
Gert Lindemann, Staatssekretär im Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, erklärte, dass die Unbehagen der Nahrungsmittelindustrie hinsichtlich der steigenden Rohstoffpreise von der Politik ernst genommen werden müssen. Die Nahrungsmittelherstellung werde auch in Zukunft von Priorität für die Landwirte sein. Lebensmittel seien – gerade im europäischen Vergleich – in Deutschland nach wie vor sehr preiswert. Erforderliche Preisanpassungen böten keinen Anlass zur Dramatisierung.

Schwerpunkt des zweiten Teils des Rohstoffkongresses war sodann eine Podiumsdiskussion, in die das Auditorium einbezogen wurde. In der von Frank Lehmann, ARD Börsen- und Wirtschaftsjournalist moderierten Diskussion, gaben die Diskutanten, Rolf Brack, CEO VK Mühlen AG, Angelika Grözinger, Präsidentin des Deutschen Hausfrauenbunds, Peter Hahn, Hauptgeschäftsführer Deutscher Brauer-Bund, Prof. Dr. Markwart Kunz, Vorstandsmitglied Südzucker AG Mannheim, Stefan Genth, Hauptgeschäftsführer des Hauptverbands des Deutschen Einzelhandels, Wilhelm F. Thywissen, Präsident des Verbands Deutscher Ölmühlen, Dr. Helmut Born, Generalsekretär des Deutschen Bauernverbands und Hubertus Rau, Präsident des Verbands der Deutschen Margarineindustrie Statements ab, die sodann offen diskutiert wurden. Hinsichtlich der teilweise sehr kritischen Position gegenüber der Bioenergie erklärte Reinhard Kaiser, der im Bundesumweltministerium in leitender Position für Erneuerbare Energien zuständig ist, dass eine isolierte Betrachtungsweise nicht sachgerecht sei. Bioenergie sei im Kontext mit Klimaschutz, Versorgungssicherheit und Nachhaltigkeit zu sehen. Dies sei politisch gewollt und zwar sowohl von der EU als auch der Bundesregierung. Den gegebenen strukturellen Veränderungen müsse man sich stellen. Hierfür sei ein ganzheitlicher Ansatz erforderlich.

Teilnehmer des Rohstoffkongresses sowie BVE-Mitglieder können die Präsentationen der Referenten bei Regina Bensley, E-Mail. rbensley@bve-online.de, anfordern.

Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an:

RA Peter Feller
Tel.: +49 30 200786-160, -161
Fax.: +49 30 200786-260
pfeller@bve-online.de

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