Wellfood: „Gesunde Ernährung“ liegt bei Verbraucherwünschen voll im Trend
BVE-GfK-Marktstudie untersucht Konsumverhalten bei Lebensmitteln anlässlich der Anuga 2007
Köln, 12.10.2007Die deutschen Verbraucher greifen immer stärker zu Lebensmitteln, von denen sie sich gesundheitliche Vorteile versprechen. Der Trend zu „Gesunder Ernährung“ treibt den Lebensmittelmarkt an – so lautet das Fazit der GfK-Marktforscher in der aktuellen Anuga-Studie.
Die Erwartungen der Verbraucher an ihre Lebensmittel für eine gesunde Ernährung sind bisher in Deutschland noch kaum systematisch erforscht. Die GfK legt erstmals eine detaillierte Analyse der Käuferpotenziale und Käufereinstellungen dazu vor.
Unter dem Begriff „Wellfood“ hat die GfK Produktkategorien zusammengefasst, die den Verbrauchern einen gesunden Ernährungsstil ermöglichen. Die Ausgaben der deutschen Haushalte für diese „Wohlfühl“-Lebensmittel sind von 2002 bis 2006 um 23% angestiegen – während im gleichen Zeitraum die Ausgaben für die sog. schnell drehenden Konsumgüter, also Lebensmittel insgesamt, Körperpflegeprodukte, Wasch- und Putzmittel nur um 5% anzogen.
Die dynamische Marktentwicklung weist aus Sicht der deutschen Ernährungsindustrie deutlich darauf hin, dass
- es bereits ein enorm vielfältiges Angebot an Lebensmitteln gibt, die dem Käuferanspruch nach „Gesundheit“ entsprechen
- die Erwartungen der Konsumenten an „gesunde Lebensmittel“ individuell sehr unterschiedlich sind
- noch viel mehr Menschen für eine gesunde Ernährung zu motivieren sind, wenn sie in der richtigen Weise angesprochen werden
- gesunde Ernährung nicht unbedingt eine Frage der Kaufkraft ist
- es keiner Eingriffe der Politik in das Lebensmittelangebot und die Werbemöglichkeiten bedarf, um die Menschen zu einem aktiven, gesunden Lebensstil zu bewegen
- und nicht zuletzt, dass die Ernährungsindustrie in Deutschland ein großes Wachstumspotenzial in diesem Marktsegment weiter entwickeln kann.
Was ist Wellfood?
Die Definition von „Wellfood“ in der Studie umfasst frisches Obst und Gemüse, Vollkornprodukte, fett- und zuckerreduzierte/-freie Produkte, diätetische Lebensmittel, probiotische Lebensmittel und biologisch erzeugte Lebensmittel. Es ist wichtig, auf diesen weit gefassten Ansatz hinzuweisen, weil damit deutlich wird, dass die Menschen aus ihrer individuellen Sicht „Wohlfühl“-Lebensmittel jeweils anders verstehen. Der Wunsch nach Gesundheit wird sogar noch weiter interpretiert – nämlich als der Wunsch, nach einer gesunden Umwelt und einer intakten Welt. Diese persönlichen Ziele und der Lebensstil jedes Einzelnen beeinflussen, das zeigt die Studie sehr deutlich, die Anforderungen an Lebensmittel heute. Diese Wünsche aufzuspüren und in die richtigen Produkte umzusetzen ist eine große Herausforderung und Chance für die Ernährungsindustrie. Es ist zu erwarten, dass regionale Produkte, Produkte aus deutscher Herstellung, Bio-Produkte, Obst- und Gemüseerzeugnisse sowie Produkte mit gesundheitlichem Zusatznutzen von diesem Trend profitieren werden.Wer kauft Wellfood?
13,2 Mio. Haushalte in Deutschland erklären in der Studie ein hohes Interesse an „Wohlfühl“-Lebensmitteln zu haben, aber nur ein knappes Drittel (4,2 Mio. Haushalte) kauft bisher diese Produkte. Warum ist das so? Ein Blick in die Käuferstruktur und die Einkaufsstättenwahl bietet Erklärungsansätze. Wellfood-Käufer sind besonders stark in der Altersgruppe 65+ vertreten. Das Interesse am Thema Gesundheit/Wellness ist hier besonders groß und die finanziellen Möglichkeiten sind gut. Bei Berufstätigen in der Altersgruppe 35 bis 49 und wenn Kinder im Haushalt sind, spielen die Aspekte bequemer Zubereitung und der Faktor Zeit bei der Einkaufsentscheidung eine größere Rolle. Hier sind Ansätze für die Produktentwicklung gefordert, die dem Wunsch nach Convenience und Wellness Rechnung tragen. Neue Käuferschichten können mit den richtigen Produkten, dem passenden Marketing und den richtigen Handelskonzepten erschlossen werden.Wo kauft man Wellfood?
Interessant ist auch die Analyse der Einkaufsstätten. Offensichtlich werden „gesunde“ Angebote noch nicht überall dort ausreichend gemacht, wo der Kunde einkauft. Im Supermarkt und in Verbrauchermärkten besteht offensichtlich noch Nachholbedarf, wie sonst wäre die starke Rolle der Fachgeschäfte zu erklären. Hier ergeben sich auch neue Profilierungschancen für den Handel.Innovationen müssen sich lohnen
Eine gute Nachricht für die Ernährungsindustrie liegt in der Erkenntnis, dass „Wellfood“-Käufer besonders ausgabenstark sind – aber auch Haushalte, die mit ihrem Einkommen im Großen und Ganzen zurecht kommen, entscheiden sich überproportional für diese Lebensmittel und Getränke. Für die Wertschöpfungsperspektiven der Industrie ist dies wichtig, weil Innovationen Geld kosten und bei schrumpfender Bevölkerung in Deutschland Auswege gefragt sind.Qualität und Marke stärker gefragt
Positiv stimmt auch die Botschaft, dass die Qualität für die Käufer wieder zum wichtigeren Einkaufskriterium wird. Zusammen mit einer hohen Akzeptanz von Herstellermarken im Wellfood-Markt bietet dies gute Perspektiven für die Industrie.Vertrauen beim Einkauf notwendig
Ein wichtiger Aspekt bei der Einkaufsentscheidung für „Wellfood“ ist das Vertrauen. Hier zeigt die Studie deutlich auf, dass Angebote zur Information und zur Beurteilung von Produkten den Verbrauchern sehr wichtig sind. Die hohe Bedeutung von Testurteilen, Gütesiegeln und Angaben zu Inhaltsstoffen sollte die Hersteller motivieren, in ihren Anstrengungen zur Verbraucherinformation und –aufklärung weiter fortzufahren - eine besondere Herausforderung sicher für die Markenartikler in der Ernährungsindustrie. Die Branche wird sich aber auch noch intensiver damit befassen müssen, mit welchen Informationen und Hilfestellungen sie den Verbraucher auf dem Weg zu einer gesunden Ernährung und zu einem gesunden Lebensstil insgesamt unterstützt. Die hohe Relevanz von Testurteilen und Empfehlungen von Verbraucherorganisationen sowie Gütesiegeln beim Einkauf zeigen einen Weg auf, wie die Ansprache der Käufer erfolgen kann. Mit klassischer Werbung allein ist es nicht getan.Die zunehmende Verbreitung der Nährwertkennzeichnung auf verpackten Lebensmitteln, kann hierzu einen Beitrag leisten, wenn sie denn von den Verbrauchern genutzt wird.
Regulierung durch die Politik nicht erforderlich
Der Ruf nach gesunder Ernährung wird immer lauter – trotz eines Lebensmittelangebotes, das noch nie so vielfältig, sicher und hochwertig wie heute war. Die Politik stellt ständig neue Anforderungen an Lebensmittel und ihre Vermarktung. Unsere Gesellschaft überträgt die Verantwortung für die Ernährung des Einzelnen gerne immer stärker an die Wirtschaft. Das ist eine große Verantwortung für die Unternehmen und zugleich eine Chance für die Zukunft.An die Politik ist die Botschaft zu richten, dass der Trend zu gesunder Ernährung längst erkannt ist. In den nächsten Jahren werden wir eine dynamische, vom Markt getriebene Entwicklung mit vielen neuen Produkten und Dienstleistungen rund um das Thema erleben. Regulierende Eingriffe in das Produktangebot und der erhobene Zeigefinger sind in unserer Gesellschaft nicht der richtige Weg, um die Nachfrage zu lenken.
Die in Deutschland zu beobachtenden Verbrauchertrends sind weltweit auch in anderen Absatzmärkten zu beobachten. Die Anuga 2007 bietet Industrie und Handel die einzigartige Chance, neue Ideen auszutauschen und „gesunde“ Konzepte zum Wohle des Kunden zu verfeinern.
Die Ernährungsindustrie ist mit einem Umsatz von 138,2 Mrd. Euro und 519.000 Beschäftigten einer der größten deutschen Industriezweige. Die BVE ist der wirtschaftspolitische Spitzenverband der Branche, unter deren Dach 22 Fachverbände und 44 Unternehmen organisiert sind.
Eine Zusammenfassung der Studie liegt hier zum Download für Sie bereit.
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Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an:
Dr. Sabine Eichner
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