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"Das ist kein Drama"

LZ Interview mit Herrn Abraham

03.08.2007

Lebensmittel Zeitung:
Die Ernährungsindustrie ist jetzt der Prügelknabe der Nation. Was sagen Sie dazu?
Jürgen Abraham:
Seit dem vergangenen Wochenende hat die Republik scheinbar nur ein Thema: die Verteuerung von Lebensmitteln, insbesondere von Milchprodukten. Die unvermeidbaren Preiserhöhungen rufen sogar die Politik und das Kartellamt auf den Plan. Ein Butterpreis von 1,19 Euro – daran wird die Nation nicht zugrunde gehen. Die meisten Haushalte geben für Lebensmittel nur einen geringen Teil ihres Einkommens aus. Dies spiegelt einerseits das niedrige Preisniveau für Lebensmittel hierzulande, das wesentlich auf den harten Wettbewerb in Industrie und Einzelhandel zurückzuführen ist. Andererseits ist es aber auch Ausdruck des erreichten Wohlstandsniveaus unserer Gesellschaft.

Foto: LZ-Archiv
Jürgen Abraham, Vorsitzender BVE
Lebensmittel Zeitung:
Wie erklären Sie sich dann die Aufregung?
Jürgen Abraham:
Neu ist für Verbraucher und Politik, dass auch Lebensmittel teurer werden können. Über viele Jahre hat sich die Entwicklung des Preisindex für Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke vom allgemeinen Preistrend abgekoppelt. Diese Schere in der Preisentwicklung beginnt sich seit 2005 langsam zu schließen.

Lebensmittel Zeitung:
Worauf müssen sich die Verbraucher einstellen?
Jürgen Abraham:
Auf absehbare Zeit wird der Preistrend nach oben gehen. Für die Verbraucher ist dies eine ungewohnte Situation – aber bei weitem kein Drama. Kein Grund vor allem für Politiker, eine in den letzten Jahren stark gebeutelte Branche mit Manipulationsvorwürfen zu verunglimpfen. Als sich die Preisspirale nach unten drehte, haben sich die wenigsten für die Hintergründe interessiert. Das jährliche „Konjunkturprogramm“ für die Verbraucher, finanziert von Ernährungsindustrie und Lebensmittelhandel, war stets willkommen. Die neue Situation bietet auch Gelegenheit, den Produkten der Branche wieder neue Wertschätzung entgegenzubringen.
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